Haarausfall/Haarsprechstunde

„Ich weiß, dass mein Vater und mein Opa das auch hatten Herr Doktor, aber kann man da gar nichts machen?“
Lieber Patient mit Haarausfall,

diese Frage hat Sie vielleicht auch schon beschäftigt. Männer sind es zunehmend leid, sich in ihr genetisch bedingtes Schicksal zu ergeben. Und kaum etwas anderes versetzt Frauen bei uns im Hautzentrum so in Sorge wie Haarausfall. In unserer auf Äußerlich-keiten fixierten Welt erscheint die Schönheit von vollem Haar unabdingbar. So beobachten wir auch, dass Menschen mit Haarausfall häufig mit großer Unzufriedenheit und Verunsicherung kämpfen. Daher ist es uns ein besonderes Anliegen, jeden Fall ernst zu nehmen.

Unsere umfangreiche und aussagekräftige Diagnostik ermöglicht eine individuelle Beratung, sodass wir Ihnen eine zielgerichtete Therapie anbieten können.

Formen des Haarausfalles:

1) diffuser Haarausfall (meist bei Frauen vorkommend):

Eisen-, Biotin- oder Zinkmangel sowie Schilddrüsenprobleme führen häufig zu Haarausfall. Aber auch seelische Probleme können ursächlich sein. Hier gilt es zunächst einmal festzustellen, ob überhaupt ein die Norm überschreitender vermehrter Haarausfall vorliegt, denn der normale Haarverlust unterliegt durchaus Schwankungen und beträgt bis zu 100-150 Haaren pro Tag.

2) androgenetischer Haarausfall (die klassische „Glatzenbildung

3) bei der Frau meist nur als Lichtung im Oberkopfbereich ausgeprägt)

Ursache beim Mann:

  • Zusammenspiel genetischer- und hormoneller Faktoren.
  • erhöhte Empfindlichkeit der Testosteronrezeptoren am Haarfollikel

Ursachen bei der Frau:

  • vermehrte Androgenproduktion (Adrenogenitales Syndrom, kongenitales PCOS),
  • Einnahme von Androgenen oder männliche Hormone(Anabolika)
  • erhöhte Empfindlichkeit der Haarwurzeln auf Hormone

4) Die Alopecia areata (AA), der „kreisrunde Haarausfall”:

Kreisrunder Haarausfall kann in jedem Lebensalter auftreten, bevorzugt betroffen sind Kinder und junge Menschen. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind nicht bekannt. Man nimmt an, dass sog. Autoantikörper ihre Aktivität gegen die eigenen Haarwurzelzellen richten, ähnlich wie bei Rheuma

5) Verschiedene Kopfhauterkrankungen können durch Vernarbungen zu einem bleibenden irreversiblen Haarausfall führen. Diese sollten z. B. durch eine Hautprobe/Biopsie diagnostisch ausgeschlossen werden.

Ursachen:

  • angeborene Defekte und genetisch bedingte Störungen
  • Infektionen (z. B. durch Pilze)
  • Verletzungen (z. B. Verbrennungen)
  • Tumoren
  • Spezielle Hauterkrankungen, DD: CDLE, Morphea, Follik. Decalvans, Tinea capitis, Perifollikulitis, Lichen ruber follik. etc.

Diagnostik: Eine saubere Diagnostik ist elementare Grundlage für die Therapie.

Zu Beginn jeder Diagnostik steht immer die Erhebung der Krankengeschichte, welche bei Haarerkrankungen ganz besonders wichtig ist.

  • Eigenanamnese: Chronische Erkrankungen, Atopie, Allergien, Essverhalten
  • Familienanamnese: Auffälligkeiten bei Vater/Mutter
  • Medikamentenanamnese: Antieileptika, Chemotherapeutika, Schilddrüsenmed., Betablocker, Hormoneinnahmen, Nahrungsergänzungsmittel
  • Frauenärztliche Anamnese: Zyklusstörungen, Hormonbehandlung, Schwangerschaften, Kinderwunsch
  • Psychische Belastung?
  • Patientenerwartungen: Wünsche, Vorstellungen, Erwartungshaltung

Neben der klinischen Untersuchung(Blutuntersuchungen) durch den Dermatologen steht Ihnen in unserer Praxis ein Computersystem (TrichoScan) für die Haarwurzelanalyse zur Verfügung. Im Gegensatz zum früheren „Trichogramm“ müssen hierfür keine Haare mehr schmerzhaft ausgerissen werden, auch eine Kopfwäsche ist weiter möglich. Ihre Haare werden stattdessen auf einem kleinen versteckten Areal (ca. 1 cm²) rasiert. Nach 3 Tagen wird das nachgewachsene Haar angefärbt und eine auflichtmikroskopische Bildaufnahme der Kopfhaut angefertigt. Durch die Spezialsoftware kann nun die Analyse erfolgen.

 

Aussagen des TrichoScans:

  • Verifizierung eines vorliegenden Haarausfalles
  • Hilfe bei der Ursachenforschung
  • Feststellung des Schweregrades
  • Verlaufskontrolle unter Therapie

Therapie: Diese richtet sich nach der Form des vorliegenden Haarausfalles und den erhobenen Befunden. Wir werden ausführlich mit Ihnen besprechen, ob lokale Maßnahmen ausreichen oder Medikamente nötig sind.

In schweren Fällen muss jedoch ggf. auch über Haarersatz nachgedacht werden, wir beraten Sie dazu gern. Wir verschreiben Perücken, Haartransplantationen werden von uns nicht mehr durchgeführt.

Leitlinie:

  • PUVA, Dithranol und Minoxidil kritisch gesehen
  • Ciclosporin A, Calcineurininhibitoren oder Biologicals nicht empfohlen.
  • Topische, intraläsionale oder auch systemische GKS, auch als Schaum (Clobetasolpropionat 0,05%-Schaum) ohne dauerhafte Wirkung
  • AGA: Systemisch: Bei der Frau: Finasterid in Verantwortung des Verordners ( 2,5-       5 mg /tag)
  • beim Mann: 5-Alpha-Reduktase-Typ II-Hemmer Finasterid 1mg/täglich
  • Lokaltherapie:
  • Minoxidil  Frauen: 2x tägl. 2%-Lösung, 1x täglich als Schaum
  •                   Männer: 2x täglich als 5%-Lösung oder als 5%-Schaum

Diphenylcyclopropenon (DPCP)

Eine ursächlich heilende Therapie der Alopecia areata ist nicht bekannt, in den 70er Jahren wurde allerdings eine örtliche Immuntherapie mit dem Kontaktallergen Diphenylcyclopropenon (DPCP) entwickelt. Das Prinzip der örtlichen Immuntherapie besteht in der Erzeugung eines allergischen Kontaktekzems an der Kopfhaut. Diese Anwendungen werden zunächst in wöchentlichen Abständen vorgenommen. Die Wirkung der Immuntherapie kann nach einer Behandlung über sechs bis neun Monate beurteilt werden. Die Immuntherapie mit dem Kontaktallergen DPCP ist die einzige örtliche Behandlung der Kopfhaut, deren Wirksamkeit bei der Alopecia areata im Links/ Rechtsvergleich nachgewiesen worden ist. Die Immunreaktion führt bei 50-60% unserer Patienten zu Haarwuchs.

Obwohl DPCP derzeit nicht als Medikament zugelassen ist, sind wir der Auffassung, dass genügend Erfahrungen vorliegen, um diese Behandlung im Hautzentrum Paderborn anzubieten. Von den Krankenkassen wurde zum 1.1.2004 die Haarbehandlung aus dem Leistungskatalog gestrichen. Deshalb müssen wir die Material-, Herstellungs- und Behandlungskosten in Rechnung stellen.